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Neuigkeiten und wichtige Ankündigungen zu unserer Schule

Besuch der Historikerin Gertrud Althoff am 14.05.19 in der St. Georg-Schule

Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Anne Frank - ein jüdisches Mädchen“ in der Religionsgruppe des 7.Jahrgangs, begaben sich die Schüler/innen auf Spurensuche der jüdischen Hopstener zur Zeit des Nationalsozialismus. Auf Anregung eines Schülers wurde die Historikerin Frau Althoff aus Münster eingeladen. Die gebürtige Hopstenerin forschte und forscht zur Geschichte der westfälischen Juden. In zwei Unterrichtstunden gab sie ihr Wissen über die jüdischen Familien Reingenheim und Grünberg weiter. Vor ungefähr 200 Jahren siedelten sich diese in Hopsten an und gründeten eine kleine Gemeinde. Alexander Jakob Reingenheim stiftete das Grundstück für den kleinen Friedhof inmitten eines Feldes an der Schapener Straße und mit seiner Beerdigung 1905 wurde  dieser eingeweiht. Der erhaltene Friedhof mit 8 Grabsteinen und einer Gedenktafel ist eine Besonderheit, da er während des Dritten Reiches nicht verwüstet wurde und in Hopsten die einzige Erinnerung an die jüdischen Bürger  ist. Frau Althoff erzählte detailliert über die Reichspogromnacht in Hopsten. Die jüdischen Einwohner wurden von SA- Männern aus Hopsten schwer misshandelt, ihre Wohnungen und Häuser verwüstet, rituelle Gegenstände aus der kleinen Synagoge entweiht und diese letztendlich zerstört. Im Dezember emigrierten Regine Jacobs mit ihrem Mann und Sohn aus Süddeutschland nach Südafrika und Hilde Jacobs mit ihrem Mann über Kuba in die USA. Briefwechsel mit Hilde Jacobs vervollständigten Frau Althoffs Recherchen. Hilde Jacobs berichtet von einer sorglosen Kindheit und einem guten Zusammenleben in dem kleinen Dorf bis zu dieser Nacht. Nur zwei Frauen von allen jüdischen, deportierten Hopstenern fielen nicht dem Holocaust zum Opfer. Selma Reingenheim und ihre Tochter Helga kehrten im Herbst 1945 kurzzeitig nach Hopsten zurück und emigrierten dann in die USA. Isidor Reingenheim und seine älteste Tochter Ine starben in Holland und sind in Enschede begraben. Der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof wurde von Selma gestiftet. In Hopsten stehen noch zwei Häuser unverändert, in denen ehemalige jüdische Hopstener gewohnt haben. Dazu zählt das Haus an der Rheiner Straße 16, früher Börnebrink 42, „das Judenhaus“, ein Ghetto in Kleinformat. Hier wurden auch Juden einquartiert, die nichts mit Hopsten zu tun hatten, um sie von hier aus in verschiedene Konzentrationslager zu deportieren. Mit historischem Bildmaterial von Menschen und Häusern veranschaulichte Frau Althoff  ihre Darstellungen. Die Täter der Reichspogromnacht mussten sich nie für ihre Taten verantworten und an die Überlebenden und Emigrierten wurden keine entsprechenden Entschädigungen gezahlt. Diese Erinnerungen an das Unrecht, das friedliche Zusammenleben, keine Vorurteile gegenüber Menschengruppen zu haben, ist ihr ein großes Anliegen. Zum Schluss aßen alle zusammen Matzen (ungesäuertes Brot), die sie mitgebracht hatte, und die Schüler/innen bedankten sich mit einem kleinen Geschenk für die etwas andere Unterrichtstunde.

geschrieben von Th. Gels, Klassenlehrerin 9a

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